| In der Zeit vom 29.10.2005 bis 04.11.2005 hat Yates Alemanes wieder den Bavaria Balearen Cup ausgerichtet. Wettfahrten und am Abend geselliges Beisammensein mit Buffet und Getränken bestimmten eine Segelwoche.
Die Organisation klappte reibungslos, das abendliche Essen war abwechslungsreich und - ganz wichtig - entgegen den Prognosen herrschte zumindest ab mittags genügend Wind. Wer bisher nur Fahrtensegeln kennt, macht bei einer Regatta ganz neue Erfahrungen. Nie muss man sich ansonsten Gedanken machen, zu einem bestimmten Zeitpunkt über eine bestimmte Linie zu fahren und davor auf engem Raum mit anderen Yachten zu kreuzen. Und wer arbeitet schon ständig während der Fahrt an den Schoten und Fallen, optimiert unentwegt die Segelstellung? Wo liegt beim aufkreuzen das Optimum zwischen Höhe und Geschwindigkeit? Auch wer nun nicht seine Erfüllung im ständigen Wettkampf mit anderen Seglern findet, wird nur im direkten Vergleich mit anderen Yachten feststellen, wo noch Verbesserungsbedarf bei den eigenen Segelleistungen besteht. Diese Erkenntnisse können auch beim Fahrtensegeln die Freude steigern.
Wer nun glaubte, nach dem Start würde sich das Teilnehmerfeld schnell auseinanderziehen und die Positionskämpfe wären dann vorbei gewesen, irrte. Jeden Tag gab es bis zur letzten Tonne spannende Duelle. Und auch auf der Fahrt nach Cabrera kamen viele Yachten innerhalb weniger Minuten, teils fast parallel im Sekundenabstand über die Ziellinie.
Auch in diesem Jahr dürfte der Bavaria Cup wieder für alle Teilnehmer ein besonderes Erlebnis gewesen sein.
3 Wettkampftage, wie wir sie erlebten
Es traf sich zufällig, dass wir in der Regattawoche in Palma weilten. Wir konnten zwar nur an drei der sechs Wettkampftage an den Regatten teilnehmen, weil schon am Donnerstag wieder die Arbeit in Deutschland rief. Aber diese drei Tage hatten es in sich. Als absolut regattaunerfahren traten wir an. Dementsprechend schlecht waren unsere Starts.
1. Tag:
Es stand der wohl klassische Kurs zur Illes de Sech an. Mit Klaus und seinem Bekannten waren wir zu viert und hatten so etwas Regattaerfahrung mit an Bord. Die Windrichtung kam uns entgegen: zur Illes de Sech und zurück Am- bis Halbwindkurse.
Die 38 Yachten starteten mit einer halben Stunde Abstand in zwei Gruppen. Zuerst die Yachten bis 42 Fuß, dann die Yachten ab 44 Fuß und die 42er Match.
Der Start verlief mittelmäßig, d.h. wir waren schätzungsweise am Ende des ersten Drittels. Dann spielte Freya (49er) ihre Stärke aus. Yacht um Yacht überholten wir. Nach der Rundung der Illes de Sech lagen wir bald in einer Höhe mit der CHAMPAGNE (49er). Die beiden 46er CR, KONNICHIWA und PRASLIN, waren etwas voraus. Schräg hinter uns die 42er Match.
Wir erkannten, dass wir die Flughafentonne, die kurz vor dem Ziel noch zu passieren war, nicht auf einem Bug erreichen konnten. CHAMPAGNE wendete als erste. Dann folgten die beiden 46er. YALINGHI (42 er Match) und wir fuhren hingegen noch geraume Zeit den alten Kurs.
Der Wind ließ nach. Das waren YALINGHIs Verhältnisse. Sie zog uns einfach davon. Schließlich wendeten auch YALINGHI und wir. Dann war YALINGHI um die Flughafentonne und legte mit ausgebaumter Genua die letzten 100 m bis zum Ziel zurück.
Wir fuhren einige Minuten später auf die Flughafentonne zu. Von der anderen Seite kamen die beiden 46er und die CHAMPAGNE. Wir waren allerdings innen und mittlerweile etwas voraus. So rundeten wir vor den anderen als zweite des Feldes die Flughafentonne. Dann aber fehlte uns die Übung. Das Ausbaumen der Genua klappte nicht, unsere Verfolger fuhren innen vorbei; wir wurden nur 5. nach gesegelter Zeit.
2. Tag
Die zweite Wettfahrt führte nach Cabrera. Die Wettervorhersagen verhießen kaum Wind. So wurde beschlossen, den Start Richtung Cabo Blanco zu verlegen. Unter Motor fuhr das Feld hinter dem Boot der Regattaleitung her. Schnell frischte der Wind auf. Noch vor Cala Blava wurde die Startlinie eingerichtet. Start Richtung Palma, dann runden einer Kardinaltonne und Kurs Richtung Cabrera. Bei Regada war noch eine Tonne Steuerbord liegen zu lassen.
Die meisten starteten auf Backbordbug entlang der Startlinie, um diese beim Startsignal zu queren. Wir wollten uns aus dem Getümmel halten und starteten auf Steuerbordbug. Der Plan, vor dem Feld die Startlinie zu queren, misslang. Wir mussten ALLE vorbei lassen. Nach Umrunden der Kardinaltonne war kaum noch jemand hinter uns. Sehr übersichtliche Situation!
Dann begann FREYAs Zeit (17 kn Wind, kleines Reff im Groß, 35 Grad am Wind). Wir holten auf und passierten eine Yacht nach der anderen im Feld. Noch vor der Tonne bei Regada überholten wir YALINGHI, die sich uns im Luvkampf stellte, aber uns schließlich doch passieren lassen musste. An der Starfish zogen wir vorbei.
Hinter Cabo Blanco erreichten wir wieder ein Feld der ersten Gruppe. Wir überholten die EUROS (44er), die MERIDIA (50er CR), und die KONNICHIWA, um nur einige zu nennen, die auf unserem Kurs segelten. FREYA lief sehr gut (22 kn Wind, 60 Grad am Wind und inzwischen ohne Reff).
Schließlich näherten wir uns der ENJOY. Sie lag noch einige Schiffslängen vor uns. Es war nicht mehr weit bis Cabrera. Wir erreichten die ENJOY zwar noch recht schnell, dann aber hingen wir auf ihrer Leeseite fest.
Abfallen wollten wir nicht, um nicht der ENJOY die Zufahrt zur Bucht frei zu machen. Nun kam die CHAMPAGNE, die einen weiter außen liegenden Kurs gesegelt war, von Luv auf die ENJOY zu.
Wenige Meter vor den Felsen von Cabrera ließ der Wind plötzlich nach. Die ENJOY und die CHAMPAGNE saßen wie wir fest, kamen nicht an uns vorbei. Wir lagen alle drei im Windloch dicht beieinander, FREYA einige Meter voraus. Dann schlug eine Böe unsere Genua back. FREYA lag zwar noch vor den Konkurrenten, war aber mit zwei Mann nicht mehr ausreichend zu kontrollieren. PRASLIN, MERIDIO, ENJOY und CHAMPAGNE zogen sehr langsam mit je einem Mann an jeder Genuaschot und einem, der das Groß "ausbaumte", an uns vorbei ins Ziel.
Und auch die längst hinter uns gelassene PRASLIN überholte uns noch auf den letzten Metern. Ihre Mannschaft war zurecht stolz und klopfte sich auf die Schultern.
Wir hingegen waren zutiefst enttäuscht. Trotz des schlechten Starts wäre der 3. oder gar 2. Platz möglich gewesen. Und nun dieser Ausgang. Inzwischen trösten wir uns aber damit, dass FREYA nach der Kardinaltonne bis kurz vor Cabrera das schnellste Schiff im Feld war. Das Log zeigte ständig über 9 kn, oft über 10 kn an.
3. Tag
Vielleicht war es noch die Enttäuschung des Vortages, die uns etwas lähmte. Es war Hasenstart angesagt. Mit der Startnummer 30 sollten wir um 9:30 Uhr starten. Wir wollten auf Backbordbug nah am Startboot vorbei in einem Schlag aus der Bucht fahren. Aber in der Sorge, einen Frühstart zu machen oder beim Kreuzen durch Winddreher in Schwierigkeiten zu kommen, nahmen wir zu wenig Fahrt auf. Wir konnten nicht genug Höhe fahren, mussten wenden und zusehen, wie die CHAMPAGNE, die vier Minuten nach uns startete, es dann so machte, wie wir geplant hatten.
Nach einer weiteren Wende wurden wir gleich wieder zu einem neuerlichen Bugwechsel gezwungen, weil vor uns eine Yacht auf Steuerbordbug mit einem S-förmigen Manöver zwischen zwei Yachten auf Backbordbug so nah durchfuhr, dass sich die Besatzung fast die Hände reichen konnte. Lautes Geschrei war zu hören. Fast wäre Werftbesuch angezeigt gewesen!
Als wir endlich die Bucht verlassen hatten war nur noch eine Yacht hinter uns (Kannten wir schon vom Vortag, diesmal wegen größeren Abstandes aber noch übersichtlicher). Der Rest fuhr schon mit erheblichem Abstand voraus.
"Das war’s", dachten wir - maßlos enttäuscht. Die einzige Minichance, die wir noch sahen, nicht bei den allerletzten beider Gruppen in Palma anzukommen, war, eine andere Strecke zu wählen.
Es war klar, dass alle kreuzen mussten. Die meisten fuhren Richtung Palma, also fuhren wir recht bald eine Wende und wollten zunächst Höhe gewinnen, um an Cabo Blanco vorbei zu kommen. Vielleicht würden wir den besseren Wind erwischten.
Der Autopilot steuerte präzise 30 Grad am Wind. Der wahre Wind pendelte um 8 kn, der scheinbare Wind erreichte 12 bis 14 kn. FREYAs Fahrgeschwindigkeit durchs Wasser reichte von ca.4 bis über 7 kn. Nach ca. einer Stunde näherten wir uns wieder Yachten, die zum Teilnehmerfeld gehörten, aber alle der ersten Gruppe zugeordnet waren. Auf der Karte prüften wir, ob die Höhe reichte, um ohne Wende die restliche Strecke zurück zu legen. Wir entschlossen uns zur Wende.
Einige Zeit später passierten wir die RAZZ FAZZ.
Noch ein deutliches Stück vor uns zogen ca. 8 Yachten des Teilnehmerfeldes um Cabo Blanco herum. An der Tonne bei Regada hatten wir den größeren Teil der Yachten hinter uns gelassen. Auch an der PEQUOD zogen wir in einigem Abstand vorbei.
Dann ließ der Wind nach. Zudem mussten wir abfallen, um zur Flughafentonne, hinter der wieder das Ziel eingerichtet war, zu gelangen. Jetzt bei leichtem raumen Wind (5-6 kn, 70 bis110 Grad) kam die PEQUOD wieder auf. Unsere Versuche, zu kontern, fruchteten nichts. Frustriert verzichteten wir auf darauf, uns zu wehren und anzuluven.
Die PEQUOD zog an uns vorbei und erreichte ca. zwei Schiffslängen vor uns das Ziel. An allen drei Wettkampftagen waren wir bislang auf freiem Wasser (also von Start und Zieleinkunft abgesehen) nicht überholt worden; jetzt zum Schluss ereilte uns dann doch dieses - allerdings regattaübliche - Schicksal..
Nun sind schon wieder einige Wochen vergangen. Wir denken noch sehr viel an diese drei so erlebnisintensiven Wettkampftage. Wir haben feststellen können, dass Regattasegeln - sei es auch nur zum Spaß - viele seglerische und technische Fertigkeiten verlangt, über die wir als Fahrtensegler höchstens ansatzweise verfügten. Nun können wir es kaum erwarten, wieder nach Palma zu kommen und vieles auszuprobieren, um unsere Segelleistungen deutlich zu verbessern.
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